Die One-Man-Show der Roten

Ein guter Freund von mir hat einen Roten als Chef. Die Farbe steht weniger für seine politische Gesinnung sondern vielmehr für seinen Persönlichkeitstyp nach dem 4-Farben-Modell von Frank M. Scheelen. Mit Roten ist nicht gut Kirschen essen, denn in der Regel heimsen sie die Kirschen für sich alleine ein.
Diese Kameraden sind schnell aufbrausend, von sich überzeugt und legen nur wenig Wert auf ein faires und ausgeglichenes Miteinander. Es wundert mich immer wieder, wie Personalverantwortliche diese Charaktertypen in Führungspositionen setzen. Sicherlich - sie sind leistungsorientiert, packen an, wollen etwas bewegen und verändern, auch wenn sie dabei teils nicht gerade strukturiert und kalkuliert an die Sache gehen. Rote sind dominant und können schnell cholerisch werden - oftmals ein Grund, warum Mitarbeiter

kuschen und somit der Eindruck entstehen könnte, sie hätten Respekt. Dabei haben sie meist nur Angst vor dem nächsten Tobsuchtsanfall. Wenn Mitarbeiter auf Dauer einer solch anstrengenden und egoistischen Persönlichkeit unterstellt sind, entscheiden sie sich gut und gerne mit der Zeit für den Dienst nach Vorschrift. Sie werden mürbe gemacht, da Diskussionen schnell die sachliche Ebene verlassen, die Roten sich nicht selten mit fremden Federn schmücken und den Respekt bei ihren Mitarbeitern zunehmend verlieren. Dabei tun Rote so viel, um noch mehr Anerkennung zu erhalten. Sie wollen etwas darstellen - lieber Übertreibung statt Understatement. Laute Töne, statt leise. Luxus, Protz und Statussymbole. Sie kommen auf die Bühne und erwarten Applaus - allein für ihre Anwesenheit und für das, was sie zu sagen haben.

Und das ist oftmals sehr viel.Teils zu viel, denn Zuhören oder andere aussprechen lassen gehört nicht zu ihren Stärken. Selbstzweifel plagen sie nicht, Kritik lassen sie nicht zu, denn wie kann es sein, dass sie Fehler machen? Die Roten sind unfehlbar.Und die Roten wollen Macht. Jeden Tag, immer mehr.
Und nochmal die Frage: Warum holen sich Firmen Rote als Führungsverantwortliche ins Boot? Um das Team von cholerischen Narzissten leiten zu lassen und den Kutter bei nächster Gelegenheit gegen einen Eisberg zu donnern? Am Ende wird es meist zu einer One-Man-Show, bei denen die Mitarbeiter nur noch schmückendes Beiwerk auf der Payrole sind und ganz nebenbei still den Laden am Laufen halten. Und die Roten, ja die lassen sich feiern.